Logo Schlachthof Bremen

Kreislaufwirtschaft: Wie geht grüner Verbrauch?

Konsum – ein großer Teil unseres alltäglichen Lebens. Ob Gebrauchsgegenstand oder Lebensmittel: wir kaufen, konsumieren und schmeißen weg. Dabei fällt Müll an. Jede Nutzung und Entnahme frischer neuer Ressourcen ist eine extreme Strapaze für unsere Umwelt: Schadstoffe, Emissionen, Flächenverbrauch. Sollte unser Konsumverhalten so weitergehen, werden wir im Jahr 2050 drei Erden brauchen, um unseren Ressourcenbedarf zu decken. Doch was können wir jetzt ändern?

Aktuell leben wir in einer Linearwirtschaft. In diesem Modell der Wirtschaft wird weniger auf Umweltbilanz als auf hohen Gewinn gesetzt. Die Produkte sind mit möglichst leicht zugänglichen Materialien möglichst billig produziert – darunter leidet die Qualität. Dies wird sich jedoch zu Nutze gemacht: durch eine geplante Obsoleszenz, also einer gewollt kurzen Lebenszeit der Produkte, wird der Umsatz perfektioniert. Auf diesen Verbrauch sind unglaubliche Schäden in der Umwelt zurückzuführen, denn durch die aktuellen Ressourcenentnahmen entstehen 50 Prozent der Treibhausgasemissionen, Wasserstress und mehr als 90 Prozent des Verlustes der Artenvielfalt.

Die Lösung: Kreislaufwirtschaft. Ein Wirtschaftssystem, in dem im Gegensatz zur Linearwirtschaft durch Recycling und immer neue Wertschöpfungen möglichst wenig Ressourcen verloren gehen sollen. Es wird auf Qualität, Reparaturen und Nachhaltigkeit in der Produktion gesetzt. Seit März 2020 besteht in der EU dafür ein neuer Aktionsplan für den Klimaschutz, genau mit diesem Schwerpunkt.  Darin ist neben der Vermeidung von Abfall, der Stärkung von Verbraucher*innen und dem Recht auf Reparatur auch das Ziel vermerkt, nachhaltige Produkte als neue Norm auf dem Markt durchzusetzen. Dafür gibt es für die verschiedenen Branchen, wie zum Beispiel die Lebensmittel- oder Textilindustrie, spezifische Vorschriften, die Nachhaltigkeit erwirken sollen.

Das Ganze klingt erstmal nach einer guten Maßnahme, doch leider hapert es sehr an der Umsetzung. Die Konsument*innen und Konzerne wollen sparen, wo es geht – so können sich viele Rezyklate (Produkte aus dem Recyclingprozess) nicht gegen neu hergestellte Kunststoffe durchsetzen, deren Preise sich an den niedrigen Rohölpreisen orientieren. Denn obwohl Recycling schon seit Jahren ein Thema ist, stammen laut einer Studie des NABU nur 12 Prozent der genutzten Rohstoffe in Deutschland aus Recycling. Doch diese Zahl ist auch noch auf ein anderes Problem zurück-zuführen: Viele Verpackungen sind in ihrem Design nicht auf Recycling aus-

gelegt und enden so als Abfall. Um dies zu ändern und die gesteckten Ziele zu erreichen, schreibt die EU ab 2030 Verpackungen vor, die komplett recycelbar sind. Auch da gibt es jedoch ein großes Problem, das an einem Beispiel aus dem deutschen Verpackungsgesetz deutlich wird. Vertreiber von Verpackungsmaterial müssen nach diesem Gesetz für nicht recycelbare Verpackungen eine höhere Lizenzgebühr an die Entsorger bezahlen als für die recycelbaren. Da sie aber befürchten, sich dann nicht mehr gegen die Konkurrenz durchsetzen zu können, erlassen sie diese Gebühr. Grüne Wirtschaft scheint sich noch nicht zu lohnen – es sollten nicht nur Maßnahmen beschlossen, sondern auch die Bedingungen für ihre Umsetzung geschaffen werden.

Leider wird immer noch auf das Prinzip ›Möglichst viel für möglichst wenig‹ gesetzt – doch behindert gerade dies den nötigen Wandel. Die Verantwortung dafür liegt allerdings nicht nur bei den Konsument*innen; die Politik sollte für Unternehmen und Verbraucher*innen Möglichkeiten schaffen, die die ökologische Nutzung der Ressourcen möglich macht.

Es wird immer klarer: Wenn wir wollen, dass Nachhaltigkeit funktioniert, müssen wir unseren Lebensstil umstellen. Denn wenn wir weiterhin nicht bereit sind, unser Geld in Nachhaltigkeit anzulegen, bezahlen wir bald einen viel höheren Preis.

Sina Poppe